Pastoralkonzept
Präambel
Im Geist des 2. Vatikanischen Konzils verstehen wir uns als das wandernde Volk Gottes durch die Zeit. Dabei vertrauen wir auf die Führung des Heiligen Geistes. Wir wissen, dass die Kirche ihre vielfältigen Aufgaben heute nur erfüllen kann, wenn alle gemeinsam die Zeichen der Zeit erkennen und deuten und dies zur Grundlage ihres gemeinsamen Handelns machen.
Wir sind seit dem 1. Januar 2009 eine neue Gemeinde, die wir gemeinsam gestalten wollen. Hierbei wollen wir allen Aktivitäten, die es in unseren Gemeinden bisher gab, mit Anerkennung und Respekt begegnen. Es gilt aber auch, vieles neu zu entdecken, was bisher in unserem Gemeindeleben keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Eine Priorität sehen wir hierbei in der Aufgabe, auf jene Menschen zuzugehen, die – aus welchen Gründen auch immer – zu unserem Gemeindeleben
bisher keinen oder kaum einen Zugang gefunden haben.
Als Richtungsbestimmung für unseren neuen Weg sollen die folgenden sieben Leitlinien dienen. Sie sind aus einem gemeindeweiten Diskussionsprozess hervor gegangen. Sie sollen über die Arbeit in den Gremien hinaus Wirkung entfalten. Darum sind alle Gemeindemitglieder und alle Gruppierungen in unserer Gemeinde eingeladen, sich diese Leitlinien zu eigen zu machen.
I. Unsere Gemeinde

- „Kommt und seht!“ (Joh 1,39a)
Wir leben und handeln aus dem Glauben, dass Jesus Christus in unserer Mitte ist. Er ruft uns. Er lädt uns ein, seine frohe Botschaft zu hören, uns danach auszurichten und davon Zeugnis zu geben.
Wir wollen eine einladende Gemeinde sein, indem wir dafür Sorge tragen, dass die Menschen vielfältige Orte finden, an denen sie Gott begegnen, ihren Glauben miteinander leben und feiern und so Heimat finden können.
Wir wollen die Lebenswirklichkeiten und Hoffnungen der Menschen respektvoll und in Offenheit füreinander in den Blick nehmen und unser pastorales Handeln danach ausrichten.
Wir wollen als Kirche vor Ort im gesellschaftlichen und politischen Umfeld Dialogpartner sein und Akzente setzen, wenn es darum geht, das Zusammenleben der Menschen im südlichen Bad Godesberg zu fördern und zu gestalten.
II. Liturgie

- „Denn wo zwei oder drei in meinem
Namen versammelt sind, da bin ich
mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)
Jesus hat uns aufgetragen, uns in seinem Namen zur Eucharistiefeier zu versammeln. Aus dieser Quelle sollen alle Gemeindemitglieder schöpfen können. Deshalb wollen wir immer wieder prüfen, ob sich von unseren Gottesdiensten wirklich alle eingeladen fühlen. Neben der Eucharistiefeier bieten wir verschiedene Feierformen an. Die Gottesdienste in ihren jeweiligen Formen sollen begeistern, trösten, Kraft spenden, die frohe Botschaft lebendig machen und auf die Eucharistiefeier als Glaubensmittelpunkt hinführen.
III. Kinder, Jugend, Familie

- „Lasst die Kinder zu mir kommen;
hindert sie nicht daran! Denn Menschen
wie Ihnen gehört das Reich Gottes.“
(Mk 10.14b)
Jesus hat uns mit diesen Worten eine zentrale Verpflichtung hinterlassen.
Wir wollen Kinder, Jugendliche und Familien für seine Frohe Botschaft begeistern. Dann hat unsere Gemeinde eine Zukunft. Wir wollen die Kinder- und Jugendarbeit ausbauen und dafür liturgisch, konzeptionell, personell, räumlich und finanziell neue Möglichkeiten eröffnen. Wir wollen Familien in ihren unterschiedlichen Formen ansprechen und ihre Bedürfnisse stärker in unser Blickfeld nehmen.
IV. Ökumene und interreligiöser Dialog

- a) „So sollen auch sie eins sein,
damit die Welt glaube.“ (Joh 17,21)
Wir Christen sind geeint durch den Glauben an den dreieinen Gott. Damit ist das, was uns alle verbindet, weit stärker als das, was uns immer noch trennt. In unserer Gemeinde wollen wir daher - entsprechend der Charta Oecumenica* - in allen Bereichen unseres Handelns das gemeinsam tun, was gemeinsam zu tun möglich ist. Dafür wollen wir mit den Christen anderer Konfessionen regelmäßig das Gespräch suchen und gemeinsam Gottesdienst feiern.
- b) „Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst.“ (Mk 21,31)
Wir wollen den Dialog und das Zusammenleben mit unseren Nachbarn, gleich welcher Religion und kulturellen Herkunft, pflegen.
V. Soziale Frage, Verantwortung für Benachteiligte und Bedürftige

- „Was ihr für einen meiner geringsten
Brüder getan habt, das habt ihr
mir getan.“ (Mt 25,40)
Wir glauben, dass Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Daher erkennen wir in allen Menschen unsere Schwestern und Brüder. So wie Jesus sich oft besonders den Menschen am Rand der Gesellschaft und den Armen und Kranken zugewandt hat, so muss auch unsere Sorge besonders jenen gelten, die materiell oder seelisch in Not sind, unabhängig davon, ob sie sich selbst zu unserer Gemeinde zählen oder nicht. Wir wollen niederschwellige Angebote zur Unterstützung und Hilfe Bedürftiger in unserer Gemeinde machen.
Wir wollen uns dafür einsetzen, dass Menschen, denen durch eine Behinderung, durch Krankheit, durch ihr Alter oder aus anderen Gründen eine Teilnahme am Gemeindeleben erschwert ist, wissen und erleben können, dass sie zu uns gehören.
VI. Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung

- „Selig, die Frieden stiften.“ (Mt 5,9)
Die Botschaft Jesu ist Liebe. Gerechtigkeit und Frieden sind Schlüsselbegriffe dieser Botschaft. Daher sollen sie für uns ein zentraler Maßstab unseres Handelns als Gemeinde nach innen und außen sein. Deshalb halten wir auch weiterhin an den Partnerschaften mit Gemeinden in ärmeren Ländern fest. Darüber hinaus wollen wir künftig auch einen Beitrag leisten zur nachhaltigen Entwicklung gerechter Strukturen.
Gott, der Schöpfer, hat uns unsere Erde als Raum zum Leben gegeben. Aus Ehrfurcht vor ihm und mit Rücksicht auf die, die mit und nach uns leben, wollen wir uns, bei allem, was wir tun und zu entscheiden haben, so verhalten, dass die Umwelt und das Klima so gering wie möglich belastet und endliche Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden.
VII. Information, Transparenz, Veröffentlichungen
Wir müssen mehr von einander wissen und unsere Aktivitäten besser auf einander abstimmen. Aktionen und Angebote, die sich an die ganze Gemeinde richten, sollen Unterstützung durch Bekanntmachung und Veröffentlichung - auch durch zeitgemäße Formen der Kommunikation - erfahren. Damit wir auch im säkularen Bereich wahrgenommen werden, bedarf es einer systematischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Gemeinde soll regelmäßig über die laufende Arbeit im Pastoralteam und in den Gremien informiert werden.
VIII. Ressourcen
Wir haben in unserer Gemeinde eine bestimmte Menge Ressourcen zur Verfügung. Unsere Ressourcen sind Personen, Räumlichkeiten und Finanzmittel. Wir wollen den anderen Leitlinien entsprechend die Ressourcen verteilen, sie verwalten, pflegen und neue gewinnen.
Vom Pfarrgemeinderat angenommen am 22. September 2009
* Die Charta Oecumenica wurde am 22. April 2001 von der Konferenz Europäischer Kirchen und dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen in Straßburg verabschiedet und während des ersten Ökumenischen Kirchentages 2003 von allen Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland feierlich unterzeichnet. (Text auf www.cec-kek.org)





