Alt St. Martin, Muffendorf

Alt-St. Martin
Kirche Alt-St. Martin, Martinstraße 7, 53177 Bonn

„In Muffendorf wurde in karolingischer Zeit eine königliche Villa errichtet. Auch der Bau einer ersten Muffendorfer Kirche fiel in diese Zeit. Es besteht sogar die Vermutung, daß diese Kirche an die königliche Villa angebaut war. Eine Urkunde aus dem Jahre 889, wonach der vorletzte Karolinger Arnulf diese Kirche und den mit ihr verbundenen Besitz zusammen mit vier anderen rheini­schen Kirchen dem Bischof Egilmar von Osnabrück überließ, um ihn so für anderweitig erlittene Verluste an Gütern und Einkünften zu entschädigen, erwies sich als Fälschung. Ein Nachfolger jenes Osnabrücker Erzbischofs im 11. Jahrhundert ließ sie wahrschein­lich herstellen, um in einer der üblichen Streitigkeiten um den Zehnten gegen andere Anspruchsteller eigene Beweise in der Hand zu haben.

Dagegen hat sich eine spätere Urkunde aus dem Jahre 913 als echt erwiesen. Durch diese wurden dem Priester Guntbald mit kaiserlicher Genehmigung und der Zustimmung des Klosters Weilburg zwei Kirchen, davon eine in Muffendorf, zugesprochen. Im Liber valoris um 1300 wurde Muffendorf als Filiale der Mehle-mer Pfarrkirche unter den Kirchen der Erzdiözese Köln aufgeführt. Jahrhundertelang hatte der Pfarrer von Mehlem das Vorschlags­recht für den Muffendorfer Geistlichen.

Schon im 12. Jahrhundert gab es Zwistigkeiten zwischen Mehlem und Muffendorf, das sich weigerte, finanzielle Hilfe beim Kirchen­bau in Mehlem zu leisten. Sogar der Kölner Erzbischof Arnold II. schaltete sich in den Streit ein und versuchte in einem Schreiben 1154 zu vermitteln. Schließlich übertrug Muffendorf die Einkünfte eines Ackers an die Mehlemer Gemeinde als Beitrag zum Kirchen­bau. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde Muffendorf selb­ständige Pfarrei.

Alt-St. MartinSo wie wir die Muffendorfer Kirche heute sehen, [...] ist sie das Ergebnis vieler Neu- und Umbauten im Laufe von elf langen Jahrhunderten. Vom Kirchen­bau der Karolinger im 9. Jahrhundert ist nicht viel übriggeblie­ben, denn schon im 12. Jahrhundert wurde ein zunächst ein­schiffiger Neubau aus Trachyt und Tuff errichtet, der kurze Zeit später durch ein nördliches Seitenschiff vergrößert wurde. Ein wesentlicher Umbau erfolgte dann auch im Jahre 1635, als Muffendorf seine Selbständigkeif als Pfarre erlangt hatte. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Sakristei mit steil abfallendem Dach angebaut. 1746 wurden wiederum Erweiterungsbauten durchgeführt.

Als in den Jahren 1894/95 eine neue und größere Pfarrkirche in Muffendorf erbaut und eingeweiht wurde, geriet die alte Kirche in Vergessenheit. Es fand kein Gottesdienst mehr in ihr statt, und sie fing an zu zerfallen. Erst 25 Jahre später, im Jahre 1911, be­gann man mit der Instandsetzung und Ausbesserung. Bei dieser Gelegenheit wurden auch alte Gebäudeteile wieder freigelegt, ursprünglich vorhandene Pfeiler eingebaut und die alten romani­schen Formen, die spätere Jahrhunderte verändert hatten, wieder hergestellt. Auch im Innern nahm man umfassende Arbeiten vor. 1934 konnte ein Fußboden gelegt werden, und neun Jahre später fand der erste Gottesdienst statt.

Bei den Renovierungsarbeiten im Innern der Kirche stieß man auf einen römischen Altar aus Drachenfelser Trachyt. Aus seiner Inschrift geht hervor, daß der kaiserliche Legat der ersten minervischen Legion, Caius Scribonius Genialis, diesen Altar der Göttin Diana errichtete. Dies war zur Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel, der von 161 bis 180 n. Chr. das römische Reich führte.

Dieser Fund und auch eine uralte mündliche Überlieferung er­härten die Vermutung, daß die erste Muffendorfer Kirche an der Stelle erbaut wurde, wo vorher ein römischer Tempel gestanden hatte. [...]

Alt-St. MartinAm eindruckvollsten wirkt die alte Kirche von dem sie umgeben­den Friedhof her [...]. Den Weg von der Nordseite säumen alte schlichte Grabkreuze aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Dann erblickt man die halbrunde Apsis der Kirche mit dem Rundbogen­fries und den Tierplastiken des Honnefer Bildhauers Saul, die er nach Zeichnungen des 12. Jahrhunderts anfertigte; von ihm stammen auch zwei aus Basaltlava gehauene Wasserspeier, deren menschliche Züge ins Fratzenhafte verzerrt sind. Über die Apsis ragen die beiden Giebel des Langhauses, rechts das spitze Dach der Sakristei und schließlich der gedrungene Turm. Von der Seite her erblicken wir alle Bauelemente, wie sie von den Apsis her immer höher ansteigen. Der Turm wirkt von hier aus besonders trutzig und wehrhaft, so wie die alten romanischen Kirchen ja gleichzeitig auch als Verteidigungs- und Fluchtanlagen in unruhigen Zeiten dienten.“

Auszug aus „Alte Kirchen und Kapellen in Bad Godesberg“ von Dr. Eva Maria d'Oncieu de la Bâtie, herausgegeben vom Verkehrsamt der Stadt Bad Godesberg, 1965; Fotos von Lars Bergengruen, 2008

Orgelweihe in Alt St. Martin

Die Orgel  für Alt St. Martin ist da. Sie wurde in der zweiten Dezemberwoche angeliefert und aufgestellt - gerade rechtzeitig, denn ab Januar werden wir unsere Gemeindegottesdienste für die Dauer der Renovierung der Pfarrkirche mehrere Monate lang in Alt St. Martin feiern. So wird die neue Orgel also schon sehr bald regelmäßig "Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude" im Gottesdienst erklingen. Das ist für uns ein Grund zum Feiern.

Wie es guter Brauch ist, soll das neue Instrument im Rahmen einer Feierstunde seiner Bestimmung übergeben werden. Deshalb laden wir Sie hiermit sehr herzlich ein zur
Orgelsegnung
am Sonntag, den 15. Januar 2012
 
Wir beginnen um 16.30 Uhr mit einem kleinen
Festakt
in dessen Verlauf die Orgel gesegnet und eine Plakette mit den Namen aller Spenderinnen und Spender angebracht werden soll.